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BRM 600 ROAD TRIP MODE+ (2019) | Teilnehmerbericht

von Michi L.

In altbewährter Tradition möchte ich auch diesen Erfahrungsbericht mit zwei schönen Zitat starten:

 

"Wer noch nie ein Tretlager gewechselt hat, um danach festzustellen, dass die Sattelstütze [und nicht das Tretlager] knackst, der ist noch nie richtig [Renn-]Rad gefahren." (einer der beiden "Dicken" aus München).

 

"Yes - you are right, there are no cars on gravel roads... but fucking traktors - and they don't give a shit about cyclists!" (ein Teilnehmer, dem der landwirtschaftliche Verkehr im Allgäu anscheinend etwas zu viel war).

Prolog

Die Vorgeschichte zu diesem 600er Brevet beginnt bei mir zwei Wochen vorher - mit einer Geschäftsreise nach Indien. Für eine Woche sollte ich dort mit Kollegen vor Ort eine Projektübergabe machen. Anti-Kostverächter, der ich nunmal bin, wollte ich die Chance nutzen und versuchte möglichst viele Eindrücke der lokalen Küche zu sammeln. Dieser kulinarische Ausflug schien bereits unbeschadet überstanden, dann verbrachte ich die darauffolgende Woche doch überwiegend ohne viel feste Nahrung zu mir zu nehmen (aus Gründen). Mit dieser ernährungstechnischen Hürde ging es dann also am Donnerstag von Stuttgart aus mit dem Zug nach Gottmadingen - oder besser gesagt nach Singen, die letzten Kilometer durfte ich als kleine Dreingabe der Bahn zum Aufwärmen mit dem Rad fahren, da wir wegen Verspätung den Anschluss verpasst haben.

Pastaparty

Es ist immer schade, wenn besondere Dinge durch Wiederholung etwas an Glanz verlieren - so geht es mir zumindest inzwischen mit dem Ankommen und der Atmosphäre in Buch, dem Startort der Brevets bei Audax-Suisse. Was dort von freiwilligen Helfer_innen geleistet und geboten wird ist alles andere als selbstverständlich, es ist gut, sich immer wieder in Erinnerung zu rufen, dass es etwas Außergewöhnliches ist und darum möchte ich es hier auch unbedingt lobend erwähnen. Gegeben meiner Verdauungssituation konnte ich zwar das hervorragende Essen der Küchenchefin nicht in dem Umfang genießen, wie ich es normalerweise getan hätte - gleichwohl hab ich mich über meinen Teller Pasta mit Parmesan sehr gefreut. Vor lauter "Hallo" sagen bei inzwischen so viel bekannten Gesichtern war es dann hinten raus auch schon fast wieder knapp, rechtzeitig am Start zu sein. Zuerst mal musste mit Frank - meinem Mitstreiter beim 300er drei Wochen vorher - geklärt werden, dass ich dieses mal nicht so schnell sein werde und es magen-bedingt langsamer angehen wollte. Danach hab ich zu meiner Überraschung die beiden "Dicken" (die sind nicht dick, aber nennen sich so) aus München wieder getroffen, die ich noch vom 1000er im letzten Jahr kannte. Sie gaben unter Vortäuschung falscher Tatsachen an, nicht so schnell fahren zu wollen und ich hielt es für eine gute Idee, mit ihnen mitzufahren... super, so schnell findet man Anschluss. Zwischendurch noch eine Runde mit Robert gequatscht, der mich (und andere) beim 1000er so tapfer ins Ziel gezogen hat. Schließlich noch Gelegenheit gehabt, das affengeile Rad von Maria zu bestaunen und dann ging's auch schon los zum blauen Torbogen...

Nächtliche Raserei nach Ulm

Wie bestellt war das Wetter beim Start um 20 Uhr ein Traum. Sonnenuntergangsstimmung vom Feinsten. Das Grinsen in den Gesichtern der Teilnehmer_innen tat sein übriges zur Atmosphäre und so rollten wir anfangs bei mäßigem Tempo los durchs Hegau in Richtung Thayngen und anschließend weiter nach Tuttlingen.

 

Mit nur einer angenehmen Steigung vor Tengen blieb das Tempo zunächst moderat und ich war froh, dass sich mein Magen wohl seinem Schicksal unterworfen hatte und nicht rebellierte. Vor Tuttlingen hab ich eine gute Gruppe um Mischa gefunden und wir rollen gemeinsam zum ersten Check-Point an der 24h Aral Tankstelle. Ich wollte schnell weiterkommen, hab also kurz meine Brevet-Karte ausgefüllt und bin dann sofort wieder losgefahren. Mitten in Tuttlingen treffe ich auf die Münchner und zu meiner Überraschung auch auf Frank, von dem ich dachte, er wäre schon über alle Berge. Das Tempo ist jetzt deutlich höher und unerfahrener Dummkopf wie ich nunmal einer bin, meinte ich, ich müsste mitfahren. So geht's mit satten 30 und schneller durchs nächtliche Donautal, auch der einzige nennenswerte Anstieg bei Fridingen wird ziemlich flott erklommen.

Nach Sigmaringen treffe ich dann auch wieder auf Robert und es bildet sich eine Gruppe mit ca. 5 Leuten, in der wir gemeinsam nach Ulm rasen. Das Tempo ist jenseits jeder Vernunft, ich bilde mir ein, mitfahren zu müssen. Erste, leichte Knieschmerzen werden gekonnt ignoriert, jeder Hügel wird hochgepresst, einmal raus aus dem Windschatten und es kostet extrem viel Kraft, wieder an die Gruppe ranzukommen.

 

Auf dem Weg wurde an einer Aral Halt gemacht - die Kassiererin hat vermutlich noch nie so viele doppelte Espressi an Radfahrer verkauft, wie in dieser Nacht...

Weil's so schön war, wollte ich halt auch dabei sein. Kurz vor Ulm komme ich dann in einen kleinen "Ehekrach" zwischen den Tempomachern - es wurde sich gegenseitige Unlust zur Führungsarbeit vorgeworfen... angeheizte Stimmung oder erste Anzeichen von Überlastung? Egal - letztlich war's wohl nur ein Witzchen und so ging's weiter zum zweiten Check-Point, der 24h Aral Tankstelle in Ulm.

 

Nach diesen 180km waren meine nicht-vorhandenen Energie-Reserven dann restlich aufgebraucht, leider konnte ich auch nicht wirklich viel essen und mir wurde bewusst, dass es ziemlich blödsinnig war, mit dem verdorbenen Magen so schnell zu fahren.

Von Ulm nach München

An der Donau entlang ging's raus aus Ulm, bevor wir einen der Momente erleben durften, warum ich Nachtfahrten mit dem Fahrrad so magisch finde: Sonnenaufgang auf ein paar nebelüberzogenen Feldern nach Ulm. Dank Feldweg mit Schotter kein Auto weit und breit und stramme 1 Grad fordern alle Sinne. Irgendwann zu dieser Zeit hab ich leider auch gemerkt, dass mein Knie ernsthaft anfängt Probleme zu machen und ich lasse die Gruppe ziehen.

Mir wird ziemlich schnell klar, dass wenn ich eine Chance haben möchte, die 600km zu überstehen, ich alles dran setzen muss, dass das Knie nicht schlimmer wird. So schraube ich erst mal meinen Sattel ein wenig nach unten und schiebe dann mein Rad ein Stück, um dem Knie etwas Abwechslung zu bieten. Die nächsten 100km fahre ich wie auf rohen Eiern - und allein. Es sollten insgesamt 11h werden, die ich für die Strecke Ulm - München brauche - bis auf ein paar kurze Begegnungen mit anderen roten Teufeln fahre ich die Strecke komplett alleine und versuche ein passendes Tempo zu finden. Innerlich kommen starke Zweifel in mir auf, ob ich die 600km - und damit auch eine der notwendigen Qualifikationen für Paris-Brest-Paris schaffen werde. Da dies mein großes Ziele für dieses (Sport-)Jahr war und ist, war ich ziemlich niedergeschlagen und habe mich gleichzeitig geärgert, weil mir bewusst wurde, dass ich mir das Problem höchstpersönlich selbst eingehandelt habe, weil ich davor viel zu schnell gefahren bin.

 

Beim nächsten Check-Point in Augsburg begegne ich zum letzten Mal vor dem Ziel den Münchnern und Udo. Der Verkehr durch die Stadt in Augsburg ist nicht sehr schön - viele rote Ampeln bringen mich immer wieder zum Anhalten und das Wieder-Anfahren mit dem Knie im Notfallmodus ist kein Genuss. Nach Augsburg geht die Landschaft dann in kupiertes Gelände (ähnlich dem Allgäu) über und das stetige Auf und Ab ohne merklichen Streckengewinn fordert meine verbliebenen mentalen Reserven. Irgendwann erkenne ich am Horizont die Silhouette von München und trotz Mittagshitze lässt mich das wieder aufhoffen, das Ziel vielleicht doch noch zu erreichen.

 

In Dachau mache ich Pause bei einer Bäckerei und staune über den Verkehr auf der Straße direkt vor mir. Die Leute, die hier wohnen tun mir leid und die Radfahrer, die hier täglich fahren müssen noch mehr. Wer - wie ich - in Stuttgart wohnt, kennt sich mit beschissener Infrastruktur für Radfahrer ganz gut aus. Dachau scheint da noch mal einen draufsetzen zu wollen. Insgesamt lässt der Tag auf bayerischen (Land-)Straßen und der erlebte dort Fahrstil der einheimischen Autofahrer in mir starke Zweifel aufkommen, ob ein hier verkehrstechnisch sozialisierter Politiker jemals in der Lage sein könnte, einen guten Verkehrsminister abzugeben... aber zurück zum Brevet: kurz vor München - es ist inzwischen 15 Uhr - treffe ich tatsächlich wieder zwei Rote Teufel, an denen ich versuche "dranzubleiben". Wir fahren gemeinsam bis an die Isar und erreichen dort unseren nächsten Check-Point.

 

Der Versuch, etwas Ordentliches zu essen scheitert nach einem halben Teller Schinkennudeln - mehr möchte ich meinem Magen nicht zumuten. Die andere Hälfte schenke ich einem anderen Roten Teufel, der sich damit das Anstehen in der Schlange spart. Er machte mir den Eindruck, als würde er auch sonst nicht mehr als einen halben Teller essen - im Gegensatz zu mir hatte er sich da wohl besser im Griff :)

München - Füssen

Nach der kleinen Pause im Englischen Garten geht's zuerst auf lieblichem Schotter und später auf einer fatzeglatten Teerstrasse an der Isar entlang durch München. Zum ersten mal an diesem Tag hab ich den Eindruck, dass ich wieder etwas Kilometer machen kann. Da die "Isar-Trails" DAS Mountainbike-Mekka in München sind, werde ich von dem ein oder anderen Fully-Fahrer etwas komisch angeschaut, als ich mit dem Rennrad durch ihr Revier streife - allerdings könnte man 170mm Federweg aufwärts auf Wegen, die durchaus mit Rennrad befahrbar sind auch als etwas überdimensioniert bezeichnen - wie auch immer... Als es von der Isar weg geht, findet die Rennstrecke ein jähes Ende - Thomas hat sich mit einer unfahrbaren Rampe ein weiteres Schmankerl einfallen lassen. Ich versuche gar nicht erst mit den Rennradschuhen hochzuschieben und wähle die Reflexzonen-Massage... will heißen: barfuß.

Durch Pullach geht's in Richtung Starnberg. Die Route durch den Wald ist wunderschön. Zuerst auf der Hauptstraße entlang der Autobahn wird schließlich eine kleinere Straße mit sanfter Steigung durch den Wald eingeschlagen, bevor man Starnberg erreicht. Dort gönne ich mir erst mal wieder etwas Backwaren bevor's weiter geht zum Ammersee. Gleich nach Starnberg gibt's nen kleinen Kniescheiben-Check (steiler Anstieg), ich versuche im kleinsten Gang so zu treten, dass meine Knieschmerzen nicht wieder anfangen. Zuerst kann ich mir noch einreden dass es Mücken sind, dann wird aus der bösen Vorahnung Gewissheit: es fängt an zu regnen. Ich stelle mich unter und hoffe, dass der Spuk gleich wieder vorbei ist - in der Annahme, dass der Regen abklingt, fahre ich weiter, verfahre mich bei der Abfahrt zum Ammersee und komme in das einzige Gewitter der ganzen Runde. 5 Minuten und ich bin patschnass - vor allem meine Schuhe und Socken. Aus Angst, dass es nachts wieder ähnlich kalt werden könnte, wie in der Nacht zuvor, kaufe ich in Fischen angekommen im Supermarkt ein frisches Paar Socken - eine hervorragende Investition, wie sich später herausstellen sollte.

 

Kurz nach Fischen sehe ich vor mir einen anderen Roten Teufel - wer nach einem solchen Regen mit einem Rennrad auf Schotterwegen unterwegs ist kann nur ein anderer Verrückter sein... Christoph leistet mir Gesellschaft bis Peisenberg - vor allem über die erste steile Rampe, die wir in dieser Nacht zu meistern hatten - weitere sollten folgen. Bis Peisenberg kamen dann noch einige andere BRMler_innen dazu, so dass wir in einer Gruppe mit ca. 8 Leuten aus der Stadt rausfuhren zum nächsten Checkpoint nach Füssen. Der sollte sich allerdings noch etwas hinziehen. Besonders dankbar bin ich Mischa, der mir glaubhaft versicherte, dass wir noch genügend Zeit-Reserven hatten, um rechtzeitig ins Ziel zu kommen. In mir stieg wieder Zuversicht auf, es doch noch zu schaffen.

 

Wir fuhren die ersten Steigungen in der großen Gruppe aber allmählich wurde es ziemlich kalt und das Warten nach jeder Steigung kostete mich mehr und mehr Überwindung. Irgendwann war dann Daniel bei mir und wir beschlossen mit mäßigem Tempo weiterzurollen. Irgendwie passte das Tempo und wir fanden guten Gesprächsstoff - beste Voraussetzungen um trotz einsetzender Müdigkeit noch ein paar Kilometer zu machen, bevor wir uns ein lauschiges Plätzchen für ein bis zwei Stunden Schlaf suchen wollten. Wir waren uns schnell einig, dass es keinen Sinn macht, die zweite Nacht durchzufahren - ich war froh, hier "sichere Begleitung" zu haben. Dank der angenehmen Unterhaltung verflogen die Kilometer bis Neuschwanstein wie im Flug - obwohl es sich Thomas auch hier nicht hat nehmen lassen, einige schottrige Prachtstraßen einzubauen - für mich waren diese langsam eine ziemliche Herausforderung - meine Motorik begann mit der einsetzenden Müdigkeit etwas nachzulassen...

 

Schließlich war Neuschwanstein und damit der letzte Checkpoint erreicht - wir trafen auf Ale - einem Roten Teufel aus Brasilien, der auf der Suche nach "dem Restaurant" war, in dem er nachts um 1 noch etwas Warmes essen wollte. Wir mussten ihm leider sagen, dass dieses Vorhaben nicht von Erfolg gekrönt sein wird - er tat mir wirklich leid in diesem Moment. Ein paar Kilometer weiter erreichten wir Füssen, wo wir uns ein "EC-Hotel" suchen wollten (so nennen die Randonneure die lauschigen Räume, in denen die Banken ihre EC-Automaten betreiben... meistens geheizt, trocken und windstill). In Füssen waren die Banken aber so zentral gelegen und hell erleuchtet, dass wir beschlossen, dort nicht schlafen zu wollen. Wie durch Zufall entdeckten wir auf dem Stadtplatz Jochen in einer Art Glaskasten für E-Bike Touristen. Im Gegensatz zum erhofften Teppichboden im EC-Hotel legten wir uns zwar zum Schlafen auf bestes allgäuer Kopfsteinpflaster - aber 3 Personen in einem relativ kleinen Raum machten dafür ein bisschen warm... 5 Minuten und ich war weg.

Füsssen - Kressbronn

Nach 1,5 Stunden sollte der Wecker klingeln - ich wurde vorher wach, weil Daniel angefangen hat, rumzunesteln... wider Erwarten schaffte ich es die Wärme aus meinem Schlafsack mit in meine Gore Klamotten zu nehmen und ich konnte ohne die sonst üblichen Schüttelattacken weiterfahren... noch 120km... und viel zu viele Höhenmeter. Zuerst mal ging es mit dem Kranzegg über den höchsten Punkt der Tour - oben angekommen hat es bereits gedämmert und wir fuhren in den allgäuer Sonnenaufgang. Die Abfahrt runter Richtung Immenstadt war ein Genuss - endlich mal wieder Strecke machen. Mich überkommt regelrechte Euphorie. In Immenstadt fallen wir am Bahnhof in die gerade öffnende Bäckerei ein - Großumsatz. Warmer Kakao, Salzstange und Schoko-Banane... die Energiereserven waren wiederhergestellt. Vorbei am Alpsee ging's über Oberstaufen nach Simmerberg - vermutlich über den steilsten Anstieg der gesamten Route. Ich stelle mir Thomas bei der Routenplanung vor: anders als ein Skitourengeher, der bei hoher Lawinengefahr die steilen Hänge meidet, muss Thomas ein Planungstool haben, welches ihm die Rampen mit der steilsten Steigung anzeigt. Diese verbindet er kunstvoll zu einem Rundkurs, fertig ist der Track... zufällig kann man solche Wege jedenfalls nicht finden :)

 

Einmal oben rauschen wir gleich runter nach Weiler im Allgäu - von hier könnte man jetzt auch gemütlich abfallend Richtung Bregenz "rollen", aber inzwischen war klar, wie der Hase läuft: wann immer es die Chance gab, bergauf zu fahren, würden wir bergauf fahren. Wie steil es wirklich war, konnte ich an der Stelle nicht mehr sagen. Angefühlt hat es sich jeweils wie jenseits der 18%. Hinter Scheidegg dann endlich der letzte Anstieg. Mit einem wunderschönen Blick über den Bodensee kamen wir ausgerechnet am Lieblingsrestaurant meiner Oma an - dem Berggasthof Stadler oberhalb von Lutzenreute. Ein schöner Abschluss der ganzen Kletterei.

Thomas hatte uns vorgewarnt, dass die Abfahrt Richtung Lochau "brandgefährlich" sei, so versuchte ich mich trotz Müdigkeit und dem unbedingten Drang ankommen zu wollen zusammenzureissen und es nicht zu übertreiben. Wir kommen heil runter und rollen in einer Truppe mit 4 Leuten durchs Lindauer Hinterland in Richtung Kressbronn. Nach 39h unterwegs, von denen ich nur eine Stunde geschlafen habe, kommen wir schließlich um 10:44 am letzten Kontrollpunkt und damit dem Ende des Brevets an. Die Erschöpfung weicht sofort großer Freude und wir gratulieren uns gegenseitig und allen anderen Teufel_innen, die nach und nach eintrudeln oder schon da sind.

Epilog

Einen letzten teuflischen Eindruck durften 12 verwegene Radler_innen im Zug von Kressbronn nach Friedrichshafen auf eine 8er Gruppe Bahnreisende machen, die sich - hinterher sicherlich sehr zu ihrem Bedauern - ausgerechnet auf die Sitzplätze im Fahrradabteil ebenjenes Zuges niedergelassen hatten. In Friedrichshafen aus dem Zug aussteigend konnte man sie am Bahnhof wild nach Luft schnappend erleben... die Armen.

 

Insgesamt hinterließ das Brevet bei mir gemischte Gefühle. Ärger über das zu schnelle Losfahren; Freude, es geschafft zu haben; die Frage, warum aus geplanten und angekündigten 3500 Höhenmetern am Ende 5300 wurden und ob es nicht vielleicht doch etwas einfacher gegangen wäre; wunderschöne Abschnitte durchs nächtliche Donautal, Sonnenaufgang nach Ulm, Radweg entlang der Isar und zweiter Sonnenaufgang im Allgäu; die Frage, ob eine Durchfahrt durch Augsburg gespickt mit roten Ampeln und der Zubringer nach München durch Dachau die attraktivste Routenwahl war; langes und zermürbendes Fahren alleine mit kaputtem Magen und Schmerzen im Knie; Freude über spontane Bekanntschaften auf dem Weg, die zu einer Art Schicksalsgemeinschaft wurden und ohne die ich nicht ins Ziel gekommen wäre; Thomas' Grinsen im Ziel, als er geduldig alle Schimpftiraden ausgehalten hat, die da so auf ihn eingeprasselt sind - und die Sicherheit, dass ich beim 400er wieder am Start sein werde. Und das alles ist es ja, warum ich sowas immer wieder gern tue: fürs Wechselbad der Gefühle und die Freude am Schluss. Robert, Christoph, Mischa, Daniel & Jochen: Danke! Thomas & Crew: noch mehr Danke!

Und zum Abschluss noch ein schöner Kommentar, der es unter mein Strava-Event geschafft hat: "Es war klasse dich zu sehen. Du sahst am Ziel deutlich besser aus als am Start. Crazy" (Frank)

AUDAX Suisse | DIAbLES RoUGES
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