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BRM 400 Hells Ridge (HC) | Teilnehmerbericht (2018)

von F. M.

 

"Dies war mein zweites Brevet das ich jemals gefahren bin, nach den 400k in 2015. Die Strecke führte vom Kanton SH via St. Gallen, Schwägalp, Vorder Höchi, Pragel und Ibergeregg. Dass dabei so viele Höhenmeter zusammen kommen würden hatte ich beim Anmelden nicht realisiert. Erst am Abend vor dem Event nahm ich die Zahl "6000" bewusst in mir auf. Aber am Samstag selbst fühlte ich mich nach gutem Schlaf trotzdem frisch und gut gerüstet.

 

Start war um 7:30; circa 70 Leute rollten im gemächlichen Tempo los. Leider verlor ich gleich am ersten Checkpoint meine beiden niederländischen Freunde, aber wir hielten Kontakt via whatsapp. Die liebevoll designte Strecke durch Thurgau, St. Gallen und Appenzellerland war landschaftlich ein Leckerbissen und gleichzeitig auch eine Reise zu mir selbst, denn ich habe in der Gegend früher einmal gelebt, und unsere ältere Tochter ist dort (in Heiden) auf die Welt gekommen.

Die erste Herausforderung war dann der Anstieg zur Schwägalp auf Waldstrassen und später Alpwegen; technisch anspruchsvoll und mit Schiebepassage, da stellenweise sehr steil. Das Wetter war jedoch prächtig, unsere Gruppe hatte den richtigen Flow, und mein Körper und Geist waren voll auf der Höhe. Weiter ging's durchs Toggenburg zur Vorder Höchi, die ebenfalls steil, aber ansonsten gut und einfach zu fahren war. Der Weg durch den Wald war eine Augenweide, geradezu eine Explosion in grün.

Irgendwie muss ich mir am vorigen Anstieg das Schaltwerk verbogen haben, denn ich konnte die Kassette trotz mehrmaligem Nachjustieren nicht mehr über die ganze Range klapperfrei einstellen. Das machte mich etwas nervös, denn ein Ersatzteil hatte ich nicht dabei. Aber die Höhenmeter tickten gut weg, und ich konnte mich in der Steigung von den Kollegen sogar leicht absetzen, ohne in den roten Bereich zu gehen.

Vor Glarus dann sah es nach Gewitter aus. Meteoswiss liess auch nichts anderes erwarten. Mir war das egal, solange es auf der Abfahrt vom Pragel nicht regnete: davor hatte ich Schiss, angesichts der steilen Rampen und des schlechten Asphalts. Es kam dann genau so, erwies sich aber als machbar: der Regen war relativ leicht. Unten mussten wir erstmal den Schmierfilm aus Strassendreck und Schafscheisse von den Rädern und Trinkflaschen abwaschen. Danach war das Wasser wieder geniessbar.

In Schwyz, nach 10 Minuten am Ibergeregg, fingen Blitze, Donner und Regen wieder an, diesmal gefühlt sehr nah. Wir hielten kurz an, aber ein Blick auf den Forecast versprach keine Besserung. Also weiter. Es blieb für die nächsten 2 Stunden sehr nass, und es wurde auch richtig kalt am Sihlsee entlang. Zum Glück hatte ich genug Schichten zum Anziehen. Allerdings machte mir die Beleuchtung jetzt Sorgen, denn mein B+M Licht begann ein Eigenleben und schaltete trotz ausreichend Batterie ständig in den Sparmodus. Auf einer technischen Gravel-Abfahrt war das einhändige Steuern kein echter Spass. Mit der anderen Hand musste ich alle 5 Sekunden auf den Lichtschalter drücken.

Der Weg nach Zürich war dann ereignislos. In Zürich Nord stoppten wir nochmals an einer Tankstelle. Ich bekam kaum noch einen Bissen runter, was natürlich nicht optimal ist wenn man noch 60k zum Abspulen hat. Ein Kollege spendete mir nochmal Strom für mein energiehungriges Garmin 1000. Schrecksekunde gleich nach dem Losfahren: was wie eine gebrochene Speiche klingelte war zum Glück nur ein runterhängendes USB Kabel, das ich vergessen hatte. Mir wurde bewusst dass ich kognitiv nicht mehr so ganz alles im Griff hatte. Aber es war noch OK.

 

Es folgte eine rasante Radwegfahrt entlang eines Flusses (Glatt?), bei der mir stellenweise etwas flau wurde im Magen, oder vielleicht auch im Kopf? Ich hörte in mich hinein, konnte es allerdings nicht so richtig herausfinden was da nicht stimmte. Ich war jedenfalls froh, in unserer Sechser-Gruppe aufgehoben zu sein. Zum Glück wurde die Strasse wieder breiter, und ich fühlte mich wieder gut. Die Beine waren sowieso weiterhin top. Dann erreichten wir Schaffhausen, und das Ziel kam langsam in Reichweite. Die ersten Vögel begannen zu zwitschern.

 

Auf den letzten Kilometern war es dann schon wieder hell. Ich setzte mich am Berg nochmal ab, um oben dann in Ruhe den gefühlt hundertsten Bio Break einzulegen. Besser! Im Ziel gab es ein sehr nettes Gespräch mit Thomas, eine leckere Karotten-Ingwer Suppe und das stolze Gefühl, es geschafft zu haben! Von den flauen 1.5 Stunden zwischen Zürich und vor Schaffhausen abgesehen ist es super gelaufen. Klar, etwas weniger Standzeit wäre noch besser gewesen, aber wir waren eine sehr gute Gruppe wo jeder mitzog ohne Sperenzchen. Gimme more! Leider habe ich aber Ende Juni schon was anderes geplant, sonst würde ich mich an die 600k herantrauen.

 

Auf der Heimfahrt mit dem Auto dann Sekundenschlaf-Alarm. Habe auf die Stimme der Vernunft gehört und eine halbe Stunde am Parkplatz geschlafen. Danach ging es. Im Gegensatz zur Hinfahrt schaffte ich es, dieses Mal in Zürich nicht geblitzt zu werden. Nach 4h Schlaf zuhause begann ich, vom 600er zu träumen. Sweet dreams! Damage Report am Sonntag: Knie, Achillessehne rechts, Sitzknochen, Handballen leicht schmerzhaft, aber ich hätte schon wieder fahren können. Big smile!"

AUDAX Suisse | DIAbLES RoUGES
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