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BRM 300 Hegau+ | Teilnehmerbericht (2018)

von Velograf

Im allerletzten Moment hatte ich mich für mein erstes Brevet über 300 Km von Audax Suisse angemeldet. Seit meiner Radbauertour im letzten Jahr hat sich die Idee, am nächsten Paris-Brest-Paris (2019) mitzufahren, etwas in meinem Kopf eingenistet. Bedingung dafür ist, dass man im selben Jahr Brevets  von 200, 300, 400 und 600 Km absolviert. Nun wollte ich in diesem Jahr schon mal etwas Brevet-Luft schnuppern beim Schweizer Brevet-Veranstalter Audax Suisse.

 

Ich muss sagen, ich bin ziemlich begeistert. Am Vorabend fahre ich mit dem Velo von Zürich zum Start (und Ziel) in Buch, Schaffhausen, und treffe dort eine kleine, entspannte Gesellschaft von etwa zwanzig Fahrern an. Übernachten und Essen kann man in der lokalen Mini-Turnhalle. Begrüsst werde ich gleich persönlich durch Thomas, dem Initiator des Events. Beiläufig überprüft er gleich mein Fahrrad und zeigt mir dann sogleich den Kühlschrank mit Bier und lässt mich Pasta bei der Küchenfee Yvonne fassen. Ich setze mich zu ein paar bereits anwesenden Fahreren an die Festbank in der Turnhalle. Wow, es ist wie die unkomplizierte Aufnahme in eine grosse Familie.

 

Am nächsten Morgen ist der Start, nun sind noch ein paar Fahrer dazugekommen. Das Frühstücksbuffet ist der blanke Wahnsinn und stellt jedes 5-Sterne Hotel in den Schatten. Wohl etwas belämmert davon verpasse ich knapp die erste Startwelle um 7:00 und fahre zehn Minuten später alleine los. Nun gilt es, 320 Kilometer aus eigener Kraft, mit eigener Verpflegung und Ausrüstung und selbständiger Navigation zurückzulegen. Die gelbe Brevetkarte muss man an den diversen Checkpoints mit den richtigen Antworten ausfüllen und dann im Ziel abgeben. Soweit, so einfach.

 

Nach ein paar Angewöhnungsversuchen freunde ich mich als GPS-Verweigerer  mit meinem Navigationsgerät an und finde den Track während die Beine den Rythmus finden. Ich überhole ein paar Gruppen und schliesse vor dem Rheinfall auf Karsten auf. Ein sympatischer älterer Fahrer, der sich im Gespräch als Ultra-Triathlet entpuppt. Für ihn ist das hier wohl nicht mal Aufwärmen. Mit ihm fahre ich praktisch bis zur «Blumberger Mauer», wo er mich dann ziehen lässt. Beim Checkpoint in Tuttlingen trifft dann von hinten die erste Gruppe der zweiten Startwelle ein. Ich hänge mich an und fahre so nach der «Muur de Tuttlingen» langsam an Simon heran. Mit ihm werde ich fortan bis ins Ziel fahren, denn wir harmonieren gut.

 

Der junge Wiener erzählt mir von seiner letztjährigen Teilnahme am Transcontinental-Race. Langsam dämmert mir, dass hier jeder Fahrer ziemlich extreme Sachen macht, da bin ich das reinste Randonneur-Baby dagegen. Wir verstehen uns gleich auf Anhieb und geniessen zusammen die Schotterstrasse durchs Donautal. Hier fahren wir direkt in ein Gewitter hinein, wie ich es noch selten erlebt habe. Eine gute halbe Stunde öffnen sich die Wasserschleusen und die Schotterpisten verwandeln sich in Seelandschaften. Es gut, in diesem Moment nicht alleine zu fahren. Wir wettern die Situation ab und rollen danach wieder trocken nach Ludwigshafen. Nun beginnt sich auf den letzten 100 Km langsam die Müdigkeit bemerkbar zu machen und es braucht viel Energie, auf dem z.T. verwinkelten Radweg bis Konstanz die Konzentration zu behalten. Nach Konstanz stösst ein dritter Fahrer zu uns, so dass wir im Trio geradewegs in Richtung Sonnenuntergang über den Seerücken nach Buch fahren.

 

Etwas vor 21:00 kommen wir ins Ziel und werden sogleich persönlich durch den Grillmeister mit einem saftigen Hamburger bewirtet. Zusammen mit einem Falken-Bier und Flädlisuppe ist das Paradies perfekt! Die meisten der bereits eingetroffenen, ca. 20 Fahrer sind offenbar schon weg. Hinter uns kommen noch etwa so viel. Die Organisatoren-Crew schaut gerade den laufenden Eishockey-Halbfinal, den die Schweiz gegen Kanada gewinnt, die allgemeine Laune könnte nicht besser sein. Ich sehe aus wie nach einer Schlammschlacht, mein treuer Stolz-Renner ebenfalls. Nach dem unglaublichen Dessertbuffet werden Simon und ich von Thomas extra zum Bahnhof chauffiert, was für ein Service! Es war ein sehr schönes Erlebnis und ich hätte nicht gedacht, dass es so persönliche, kleine Anlasse noch gibt. Ich werde wieder kommen! Danke Audax Suisse!

AUDAX Suisse | DIAbLES RoUGES
AUDAX Suisse | DIAbLES RoUGES