BRM 300 Teilnehmerbericht

Heimspiel beim 300er Hegau+ BREVET

von DER VELOPFLANZER alias Stefan Leistner Baumgardt

Und wieder klingelt der Wecker nach einer viel zu kurzen Nacht gegen 5 Uhr morgens. Zeit, sich in Schale zu schmeissen, dem Körper einen Kaffee und ein paar Brote zuzuführen und dann ab auf‘s Velo zum Bahnhof. Der Zug bringt mich nach Buch/SH, dem Startort des 300er Hegau+ - Brevets. Dazwischen liegt aber noch eine längere Wartezeit beim Umsteigen in Schaffhausen und ca. 10 km vom Bahnhof nach Buch - sozusagen zum Warmfahren :-).

Nach den obligatorischen „Formalitäten“ und einem Riegel für vor dem Start fällt mir die geringe Anzahl an Mitfahrenden auf. Nun, es sind zwar nur 18 angemeldet, aber hier sind doch viel weniger. Ach so, die „Übernachtungsgäste“ sind schon um 7 Uhr gestartet. Und so sind wir zu zehnt, als es um 8 Uhr in kühler Morgenfrische losgeht.

Die ersten 120 km sind mir gut bekannt, fahr ich doch regelmässig hier meine Runden. Es geht also über den Rhein, dann Richtung Süden bis zur Kartause Ittingen, dem ersten Kontrollpunkt. Dort biegen wir rechts ab um dann via Andelfingen, Flaach und Rheinau zum Rheinfall zu gelangen. Hier wartet Stefan auf uns und drückt einen Stempel in die Brevet-Karte. Jedenfalls denen, die sich an der Aussicht erfreuen und kurz anhalten. Wer vorbeifährt, kriegt nix.

Nach knapp 78 Kilometern der erste Zwischenstop im Pfarrhaus Neunkirch (bei mir zuhause). Wenn die Strecke schon fast durch unser Haus führt, dann können wir hier auch für Kaffee und Zopf anhalten und etwas Energie tanken. Denn in drei Kilometern fangen die Steigungen an - und die werden bis zu 20% gehen. Länger als geplant bleibe ich hier, weil es sich so nett plaudern lässt und ich mich irgendwie wie zuhause fühle :-).

Dennoch, irgendwann geht es weiter Richtung Hallau und dann auf und ab und auf und ab und über die Grenze und wieder auf und ab und schliesslich der kurze, aber knackige "Mörderanstieg" vor Blumberg. Da kommt man doch etwas ins Schnaufen. Gleichwohl, die Aussicht auf die nachfolgende längere Abfahrt entschädigt die Strapazen schon im Vorfeld.

In Blumberg angekommen erwartet mich zunächst ein kurzer Blick auf die Museumsbahn, die heute in Betrieb ist, sowie "frenetischer Jubel" einiger Menschen, die hier so rumsitzen und dann des Thomas liebste Abschnitte - Schotterweg. 200 Meter weiter links führt eine super Hauptstrasse leicht bergab, auf der es sich mit dem Rückenwind gut rollen lassen würde. Aber was machen wir? Wir fahren durch den Wald und auf nicht-asphaltierten Wegen. Nunja, war ja auch angekündigt.

Dafür ist die Landschaft schöner und irgendwann kommt auch wieder ein fahrbarer Untergrund. Die Donau begleitet uns ein Stück des Weges, es ist nach wie vor trocken und fährt sich angenehm.

Kurz vor Kilometer 140 gibt es den letzten öffentlichen Trinkwasserbrunnen vor der Schweiz (und die ist noch 100 km weit entfernt) - also nochmal die Flaschen füllen und auftanken.

Und dann kommt sie auch schon, die geschlossene Barriere. Hätte mich auch etwas irritiert, wenn die bei der heutigen Runde ausfallen würde. Leider bin ich im Augenblick so alleine unterwegs, dass sich trotz der Zwangspause kein Grüppchen, geschweige denn eine Gruppe bildet. Was soll's, gleich kommt der nächste Kontrollpunkt an der Tanke und da wird schon jemand sein.

Km 140: Kontrollpunkt und Essen fassen. Doppeltes Crossino inklusive zwei Getränken für unter Fr. 10.-! Tja, da heisst es was für die Weiterfahrt einpacken.

Bei der Pause bin ich zwar nicht alleine, fahre dann aber doch alleine weiter. Das ergibt sich halt so. Und jetzt kommt auch der angekündigte Regen. Einige hundert Meter versuche ich es noch ohne Regenhose, aber das Nieseln wird kräftiger und so soll es eben mit sein. Nass werden und auskühlen möchte ich nun nicht unbedingt.

Ab jetzt sind die Strassen für mich auch unbekannt und so gibt es den ein oder anderen kurzen Halt zum Umschauen und Wahrnehmen. Schön ist es hier, ein ruhiges Auf und Ab und manchmal auch trocken. Was will das Radlerherz mehr (abgesehen von einem Radler, das jetzt mit Brezel nicht schlecht wäre).

Ach ja, die Vorlieben des Streckenplaners machen die Fahrt wiedermal abwechslungsreich und spannend - Wald- und Schotterwege. Entwickelt sich hier eine Spezialität von audax-suisse?

Und dann kommt er, der "magische" Moment. An dieser schönen Stelle springt der Kilometeranzeiger beim Speedster von 9.999 km auf 10.000 km! Und das in den letzten zwei Jahren. Die Investition hat sich bewährt :-).

Ein sehr passender Ort für einen Kontrollpunkt :-)

So langsam wird es dunkler und ich frage mich, wann es denn endlich zum Bodensee runtergeht. Der liegt ja so auf 400 Meter Höhe und ich bewege mich seit längerem auf über 600 Meter Höhe. Irgendwann muss es doch mal runter gehen. Denn eine Pause für das zweite Crossino wäre ganz nett - die will ich aber erst mit Blick auf den See machen.

Dann kommt sie endlich, die supertolle Abfahrt auf einer sauglatten Strasse. Was für ein Vergnügen - was für ein kurzes (!) Vergnügen, denn die rasende Abfahrt endet wo? Genau, in einer neuen Schotterstrecke. Und das in der Abfahrt. Will er uns um den verdienten Lohn bringen? Ist er um die Sicherheit besorgt, dass er eine Bremsschikane einbaut, damit wir langsamer werden? Oder war er schon müde bei der Planung und hat dieses Hindernis gar nicht mitbekommen? Wie dem auch sei, der Abschnitt muss in Zukunft raus!

Kurz vor Ludwigshafen dann endlich der Ausblick auf den See und noch ein Picknickplatz. Was geniesse ich das Käsebrot ... Denn eigentlich ist das Gröbste geschafft. Noch etwas um die Landzunge rum bis nach Konstanz, dann auf der anderen Rheinseite westwärts bis Stein am Rhein und von dort noch den kleinen Abschnitt zum Ziel in Buch. Hört sich nach nicht wirklich viel an, sind aber noch 80 km mit etwas Steigung dabei.

Ganz schön gross, die Kiste.

Nach der Grenze in Konstanz setzt dann auch wieder der Regen ein - und zwar etwas stärker als nur Nieselregen. Dazu ein kräftiger Gegenwind und ein paar Steigungen und der geneigte Velofahrer erinnert sich wieder, was er hier eigentlich fährt. Ein Brevet! Und keine Sonntagsfahrt.

Doch auch dieser Abschnitt hat ein Ende und nach knapp unter 17 Stunden ist das Ziel erreicht. Hier wartet eine ordentliche Portion Nahrung auf die ausgehungerten Radler. Leider mag mein Magen nicht so recht und ich begnüge mich mit einem Burrito, einem Bier und etwas Kamillentee zum Aufwärmen. Schade eigentlich, denn die Verpflegung am Schluss finde ich sehr angenehm. Besser, als noch selber etwas suchen zu dürfen. Hoffentlich bleibt das auch im nächsten Jahr so :-).

Nach der Stärkung darf ich noch 25 km nach Hause fahren, um dann gegen 3 Uhr in die weichen Federn zu sinken.